Du möchtest deine persönlichen Daten im Internet besser schützen? Dann haben wir genau die richtigen Tipps für dich. Doch denke dran: Nichts schützt zu 100%.
Tipp 1: Dein Verhalten
An erster Stelle steht dein Verhalten im Internet. Je mehr Daten du dort preisgibst, um so mehr können gespeichert, verkauft und im Zweifel gegen dich verwendet werden.
Surfe mit Bedacht. Öffne Links im Zweifel nur im Inkognito-Modus deines Browsers, öffne Mail-Anhänge und Links nur, wenn du dir absolut sicher bist, dass du dem Absender vertrauen kannst. Lade nichts von irgendwelchen Seiten herunter, auch wenn es „nur für kurze Zeit“ kostenlos ist oder du „gewonnen hast“. Und halte deine Software aktuell.
Achte darauf, welche Daten du preisgibst (CC BY-NC-SA 4.0) GGP
Vermeide Accounts bei bekannten Datensammelseiten wie Alphabet (Google, Youtube, GMail), Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp, Oculus), Amazon (Prime, Twitch), Microsoft (Windows, Teams, Skype) und Co. Oder nutze ausgedachte, persönliche Daten, wenn ein Account notwendig ist. Überlege dir Alias-Namen und plausible Informationen. Schreibe sie in ein Notizheft, falls du sie mal wieder angeben musst.
Hinterfrage kostenlose Software und Angebote kritisch. Wie sieht das Geschäftsmodell der Firma aus. Wirst du zur Ware – werden also deine Nutzungsdaten wie Inhalte oder Standort verkauft? Verwende nach Möglichkeit freie bzw. Open Source Software.
Tipp 2: Software, Programme und Apps
Hier findest du unsere Tipps für ein sicheres System, dass auch im Alltag mit kleinen Bequemlichkeitshürden problemlos einsetzbar ist. Beispielsweise verhindern die empfohlenen Addons weitgehend das Ablegen persönlicher Daten, dafür musst du sie entweder einrichten oder bei allen Seiten jedes Mal erneut die Cookie-Opt-Ins ausfüllen. Dafür wirst du aber nicht zur Ware.
Nur die Wenigsten können an allen Ecken und Enden sofort umsteigen. All das braucht Zeit. Wenn Arbeit oder Hobby alternativlos bestimmte Programme fordern, dann ist das (erst einmal) so. Überlege an welcher Stelle, du schon mal anfangen könntest.
Nicht von jetzt auf gleich, nimm dir Zeit beim Datenschutz (CC BY-NC-SA 4.0) GGP
Wie wäre es mit: Installiere Firefox und ein paar der Addons und surfe fortan damit etwas sicherer. Du willst schon einen Schritt weitergehen? Dann beobachte dein Verhalten genauer. Wo geht es um sensible und vertrauliche Inhalte? Wie wäre es dann mit: Zahle 1€ im Monat für einen sicheren E-Mail-Anbieter. Nutze Signal oder Threema als Instant Messenger und überzeuge dein Umfeld, mitzumachen.
Der Weg besteht aus vielen kleinen Schritten. Du musst nur irgendwann loslaufen. Das Ziel ist Selbstbestimmtheit über deine persönlichen Daten.
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Auch, wenn es hier nicht hinpasst… ähm, bei Instagram sind wir auch.
Oder schreibe uns eine Mail, damit wir zusammen dein Herzensprojekt sinnvoll vermarkten können: Du weißt, wo du uns findest!
Ist dir beim Betreten dieser Seite etwas aufgefallen? Genau, kein Cookie Popup ist dir vor den Inhalt gesprungen und hat dir erst einmal jede Menge Arbeit abverlangt – oder schenkt uns deine Nutzungsdaten mit einem schnellen Klick auf „Alle akzeptieren“, die wir dann an Dritte (Unternehmen) verkaufen könnten. Wir verwenden keine Cookies auf dieser Seite. Um zu verstehen, warum wir Cookies kritisieren, musst du verstehen, was Cookies genau bezwecken. Spoiler: Meist nichts Gutes.
Was sind Cookies und wofür?
Auch wenn sie so übersetzt werden, leckere Kekse sind Cookies leider nicht. Es handelt sich dabei um kleine Dateien, die Daten zur Wiedererkennung enthalten. Diese werden beispielsweise von Internetseiten auf dem Computer gespeichert, damit sich nicht bei jedem Aufruf Nutzer:innen neu einloggen müssen oder bestimmte Einstellungen wieder vornehmen müssen.
Aber sie dienen auch dazu, Eigenschaften und Interessen der User zu speichern und über viele Seiten hinweg das Surfverhalten zu speichern. Daraus lässt sich dann nicht nur personalisierte Werbung generieren … Alles nur halb so schlimm? Du hast nichts zu verbergen?
Hmmm, Cookies. Klingt lecker, sind sie aber nicht (CC BY-NC-SA 4.0) GGP
Wie wäre es mit einem Beispiel. Nehmen wir einfach einmal folgende Person – sie surft ohne Sicherheitsmaßnahmen im Netz. Folgende Daten können relativ einfach erhoben werden:
wohnt in Berlin
surft am Laptop Modell XY einer bestimmten Marke
Verwendet eine veraltete Windows-Version
Nutzt Whatsapp im Browser
Surft mit Google Chrome
Hat heute drei Fetisch-Pornos geschaut
Hat bei Grindr ein Treffen ausgemacht
Nutzt täglich TikTok und Instagram
Folgt Politiker·innen der Grünen, CDU und Die PARTEI und liked deren Beiträge
Diskutiert auf Twitter mit Hashtags zum Thema Geflüchtete und Sozialpolitik
Hat diese Woche Geld für BDSM-Zubehör und CBD-Öl ausgegeben
Sucht auf Google nach Symptomen für Angstattacken und braunen Flecken auf der Haut
liest regelmäßig ZON, SPON, Tagesschau und Netzpolitik und teilt die Beiträge
…
Jede:r verursacht eine Datenspur im Internet. Jeder Click, jeder Seitenaufruf, jedes Verweilen an bestimmten Stellen füttert die Datensammel-Seiten. Fast jede Seite möchte ihre eigenen Cookies schreiben – ein Teil des Geschäftsmodells, denn Dienste wollen sich finanzieren. Die Daten werden analysiert und „gegen“ dich verwendet, dass du schneller Dinge kaufst oder einen bestimmten Weg nimmst. Oder die Daten werden einfach mit anderen zusammen an Dritte verkauft.
Doch geht das Menschen und Firmen etwas an?
Was ist, wenn diese Daten einer Organisation, Gruppe oder künftigen Regierung in die Hände fallen? Was ist, wenn künftig deine verganenen Handlungen unter Strafe stehen? Oder Gruppen aus deinen Käufen und Klicks Vorlieben, Meinungen, Herkunft oder politische Gesinnung ablesen und plötzlich Lynchjustiz wieder ein Ding wird? Wenn die Daten einmal erhoben wurden, wird sich daran fleißig bedient werden.
Hast du immer noch Nichts zu verbergen?
An dieser Stelle sei erwähnt: Verbergen hat Nichts mit illegalen Dingen oder Verstecken zu tun. Es sind einfach Informationen, die keinen Menschen oder Institution Etwas angehen.
All deine Handlungen werden genaustens getrackt (CC BY-NC-SA 4.0) GGP
Warum ist das Internet so doof?
Überwachung geschieht durch Geheimdienste. Stimmt. Doch viel wichtiger für dich ist die Überwachung durch Konzerne und Firmen, die auf dem Verkauf von Daten ein Geschäftsmodell aufgebaut haben. Du bist die Ware.
Konzerne wie Google, Amazon, Microsoft, Adobe und fast jede andere haben das Recht dazu in ihren AGBs verankert. Verarbeitet wird dank schneller Computer und Algorithmen voll automatisiert. Überwachung mit technischen Mitteln zum Zweck des Gewinns nennt man übrigens Überwachungskapitalismus (geprägt durch Shoshana Zuboff). So funktioniert das Internet.
Keine Cookies = guter Datenschutz?
Ist die Welt ohne Cookies besser dran? Es ist kompliziert.
Nehmen wir dazu eine aktuelle Entwicklung. Google möchte Cookies von Dritten automatisch im hauseigenen Browser Chrome blocken. Klingt doch ganz nett.
Aber: Chrome ist der meist genutzte Browser weltweit. Google ist die meist genutzte Suchmaschine weltweit. Android ist das meist genutzte Smartphone-Betriebssystem weltweit.
Damit wird eines mehr als deutlich: Google hat immense Macht über den digitalen Raum. Und diese Macht wird jetzt ausgespielt. Denn Daten werden trotzdem weiter erhoben, allerdings nur noch von Google und andere Firmen werden ein Problem mit ihrem Geschäftsmodell haben.
All das verkauft Alphabet, der Konzern hinter Google, als Datensparsamkeit für die User. Ob das dann am Ende so wird, lässt sich nur mutmaßen, aber es liegt nahe, dass da vor allem finanzielle Interessen dahinter stehen. Und es könnte ohne sinnvolle Regulierung ein (weiteres) Monopol entstehen.
Cookies sind nur eine Möglichkeit, Daten zu erheben. Es reicht nicht, nur darauf zu verzichten und anzunehmen, es ist dann alles fein. Ein paar weitere Möglichkeiten, Daten über Internetnutzer:innen zu erheben sind beispielsweise:
Erst sollten Opt-Outs schützen, später Double Opt Ins. Doch Opt Outs sind oft versteckt und zurecht verrufen – und was wir uns mit Opt In Pflicht eingeheimst haben, wissen wir alle spätestens seit den Cookie Bannern auf jeder Seite. Es nervt.
(Zwischen)Lösungen?
Opt In, Opt Out, Cookies, Tracking … es sieht nicht gut aus für die Datensicherheit der Surfenden.
Das Internet ist nicht der freie Ort, der er sein könnte (und ursprünglich mal sein sollte). Du kannst dich aber zumindest etwas schützen. Mitdenken beim Klicken, Surfen und Kaufen ist das eine. Durch Werkzeuge kannst du den Trackern und Cookies das Leben schwer machen.
Werde aktiv! Warte nicht auf „die da oben“. Bisher kam da wenig bis gar nichts. Trotzdem hoffen und fordern wir weiter, machen uns für Datenschutz stark und unterstützen die passenden Vereine. Unsere Seite verzichtet auf Cookies, erheben minimale Nutzungsdaten dank Matomo völlig anonym und können so auf das Cookiebanner verzichten. Und auch Matomo-Tracking kannst du HIER widersprechen. Wenn bei deinem Browser „Do Not Track“ eingestellt ist, wird unser Matomo ohnehin nicht aktiv.
Teste doch einfach mal, wie sicher dein Browser gerade ist:
Verändere dein Verhalten und deine Programme, verwende einen Browser wie Firefox und installiere die empfohlenen Addons.
Und wenn dir Datensicherheit nicht egal ist, informiere dich doch bei den Verbänden und Seiten über die aktuellen Entwicklungen und unterstütze sie bei Bedarf: